Auferstehungsleben | World Challenge

Auferstehungsleben

Gary WilkersonNovember 20, 2017

„Bald darauf ging Jesus nach Naïn. Seine Jünger, die Männer und Frauen, und noch viele Leute folgten ihm“ (Lukas 7,11). Als Jesus sich dem Dorf Naïn näherte, folgte ihm eine große Menge in einer langen Prozession. Er hatte auf den Hügeln und Wiesen den Menschen gedient, indem er die Kranken heilte, die hungrige Menge sättigte und das Kommen des Reiches Gottes predigte. Nun schlossen sich viele, die er geheilt und gesättigt hatte, seiner wachsenden Zahl von Jüngern an. Versuchen Sie, sich diese tanzende, ausgelassene Schar vorzustellen, die sich dem Dorf näherte: Sie müssen ausgesehen haben wie eine fröhliche Karawane.

Doch gerade als die freudig-aufgeregte Menge sich den Toren von Naïn näherte, kam ihnen eine Beerdigungsprozession entgegen. „Als sie in die Nähe des Stadttores kamen, wurde gerade ein Toter zur Bestattung hinausgetragen. Es war der Sohn einer Witwe, ihr einziger. Zahlreiche Bewohner der Stadt begleiteten die Mutter“ (Vers 12).

Welch ein Kontrast: Auf der einen Seite eine fröhlich-feiernde Schar von Menschen, die übernatürliche Heilungen und das Wunder einer Brotvermehrung erlebt hatten. Auf der anderen Seite eine Schar von Trauernden, bedrückt über den Schmerz und Kummer des Lebens, weil sie eine Tragödie vor Augen hatten, denn sie trugen einen toten Jungen auf einer Bahre.

Christen kennen beide Lebenswirklichkeiten: Auf der einen Seite die tiefste, echte Freude, die man durch ein Leben in der Beziehung zu Jesus haben kann. Auf der anderen Seite das Bewusstsein, in einer tief gespaltenen, zerrütteten und verzweifelten Welt zu leben. Wir sehen Ehen, die zerbrechen, geliebte Menschen, die durch Krebs angegriffen werden, Kinder, die das erstaunliche Geschenk der Liebe Gottes gleichgültig ausschlagen. Und wenn wir nicht selbst mit schlimmen Nöten konfrontiert sind, kennen wir wahrscheinlich andere, die gerade zu leiden haben.

Dies gilt auch auf nationaler Ebene. Obwohl Amerika einen beispiellosen Wohlstand genießt, leben Millionen Bürger in schlimmer Armut, darunter eine wachsende Zahl von Kindern. Wie auf einem Trauerweg schlagen die Armen jeden Morgen die Augen auf und fragen sich: „Wie soll ich heute meine Kinder satt machen? Warum ist das meine Realität?“

Stellen Sie sich den Kontrast der beiden Gruppen in Naïn vor, als sie sich vor den Stadttoren begegnen. Die Anhänger Jesu tanzen und preisen ihn: „Gott ist mit uns!“ Die Trauernden waren sicher fassungslos und protestierten: „Ihr seid so rücksichtslos! Geht beiseite.“ Plötzlich verstummten die Jubelnden und sagten: „Es tut uns leid; wir wussten nichts von der Beerdigung.“

Aber wie reagierte Jesus, als er den Trauerzug sah? „Als der Herr die Witwe sah, ergriff ihn das Mitleid“ (Vers 13). Christus sagte: „Wartet mal. Hier gibt es eine Not unter uns.“

Als Pastor glaube ich, dass das Gemeindeleben von Tanz und Freude, Lachen und – ja – Spaß geprägt sein sollte. Wir sollten das erstaunliche Leben feiern, das uns in Christus geschenkt wurde. Es mag Ihnen anstößig erscheinen, doch der Psalmist schreibt, dass dies die natürlichste Reaktion ist: „Der Herr ist meine Stärke und beschützt mich. Ich habe von ganzem Herzen auf ihn vertraut und er hat mir geholfen. Darum freue ich mich und danke ihm mit meinem Lied“ (Psalm 28,7; Neues Leben).

Doch während wir diese große Freude in uns tragen und auch nach außen zeigen, müssen wir den Trauerweg vieler Menschen um uns her im Blick behalten, die unter Krankheit, Verlust, Not und Trauer leiden. Mitten in unserem Jubel müssen wir wie Jesus sagen: „Wartet mal; da leidet jemand. Wenden wir uns dem Menschen in Not zu, der gerade durch das Tor kommt.“

Ich bin sicher, dass die trauernde Witwe das Ende ihrer Welt vor Augen hatte. Ihr Sohn war das einzige Familienmitglied, das sie noch hatte, und wahrscheinlich wusste sie keinen Grund mehr, weiterzuleben. Wie begegnete Jesus der Not dieser bekümmerten Frau? „‚Weine nicht!‘ Dann trat er näher und berührte die Bahre; die Träger blieben stehen‘“ (Verse 13-14).

Beachten Sie, was geschah, als Jesus eingriff: Alle blieben auf der Stelle stehen. Alles, was Christus tat, war, dieser Frau zu sagen, dass sie nicht mehr weinen sollte, und die Bahre zu berühren. Doch schon in diesen knappen, einfachen Gesten lag eine klare Autorität.

Wenn wir in eine verzweifelte Situation gerufen werden, sollten wir in Gottes Autorität handeln

Die Bibel ruft uns alle auf, den Leidenden mit einer Berührung der Liebe Gottes zu begegnen. Dies setzt Gewissheit voraus. Ich meine damit keine Selbstgewissheit, nicht die innere Selbstsicherheit, bei der wir uns besser fühlen. Was ich meine, ist eine Gewissheit, die erklärt: „Bei Gott ist nichts unmöglich.“ Diese Gewissheit beruht auf der Tatsache, dass derselbe Geist, der Christus von den Toten auferweckte, auch in uns wohnt. Und wenn Gott uns in eine Notsituation sendet, kann seine Gegenwart die Not wenden.

Freunde, wer eine ordentliche Beerdigung schätzt, sollte Jesus nicht einladen. In der Bibel traf er nie auf eine Beerdigung, ohne die Toten wieder aufzuwecken. Was sagt uns das? Es sagt, dass es Jesus immer um Barmherzigkeit ging. Ja, die Bibel berichtet, dass er Tränen für die Trauernden vergoss. Doch er brachte auch die Macht und Autorität mit, das, was tot und hoffnungslos war, zu verwandeln und wieder zum Leben zu erwecken.

Genau das ist unsere Berufung als Diener seiner Guten Nachricht. Jesus selbst sagte, dass wir größere Werke tun würden, als er. Wenn wir sein Leben und seinen Dienst in der Bibel studieren, tun wir es also nicht, um uns mehr Bibelwissen anzueignen. Wir tun es, um zu lernen, wie wir in dem Geist Christi selbst handeln sollen – um so zu leben, zu dienen und zu lieben, wie er es tat.

Das bedeutet auch, in der Autorität zu handeln, die er uns gegeben hat. Wenn Jesus predigte, bemerkten die Menschen: „Er spricht mit solcher Autorität. Nie haben wir Gottes Wort so gehört, wie er es verkündet!“ Wenn unsere Generation in dieser Welt etwas für Christus bewirken will, müssen wir uns die Autorität zu eigen machen, die er uns gab – damit wir in jede Situation mit einer Gewissheit hineingehen, die sagt: „Ich bin in dem Namen Jesu hier.“

Vielleicht denken Sie: „Das klingt so anmaßend. Wie kann ich behaupten, in dem Namen Jesu zu handeln?“ Tatsächlich habe ich selbst jahrelang so empfunden. Ich bin in der pfingstlichen Tradition aufgewachsen und fand einen großen Teil der „vollmächtigen Verkündigung“, die ich zu hören bekam, abstoßend. Doch nach einigen Jahren meines Dienstes als Pastor merkte ich, dass ich die Werke des Reiches Christi ohne seine Vollmacht und Autorität nicht tun konnte. Ohne seine Autorität war alles hohl, eine tote Religion. Wir dürfen einfach keine Angst vor dem haben, was die Hölle im Leben der Menschen anrichtet – indem wir den Leidenden zwar tröstend zur Seite stehen, ohne sie jedoch zum Auferstehungsleben aufzurichten.

Jesus demonstrierte dies, als er den toten Jungen auf der Bahre sah. Er beschloss gewissermaßen: „Ich werde dieser Witwe barmherzig sein. Und damit werde ich diese Beerdigung ruinieren!“ „Er sagte zu dem Toten: ‚Du junger Mann, ich befehle dir: Steh auf.Da richtete der Tote sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück“ (Verse 14-15).

Dass Jesus den Jungen vom Tod auferweckte, zeigt seinen Wunsch, selbst hoffnungslos erscheinenden Situationen Auferstehungsleben einzuhauchen

Jesus hat nie aufgehört, solche Werke zu tun. Und er möchte auch heute in unserer Mitte dasselbe tun – dem Schmerz und Kummer, der aus den Toren unserer Stadt kommt, mit einer Macht entgegentreten, die größer ist als alles, was diese Welt kennt.

Zu viele von uns sehen einen Trauerzug und treten einfach zur Seite, weil sie denken: „Das Leben ist hart. Ich habe zur Situation dieser Menschen nichts zu sagen.“ Doch was wäre, wenn Jesus Sie bewegt, dem Tod entgegenzutreten, wie er es tat? Sagen Sie mir: Haben Sie festgestellt, dass Ihre Ehe erkaltet ist? Nehmen Sie es hin, dass Ihre Kinder drogensüchtig werden, weil Sie sich sagen: „Gott ist souverän. Da gibt es nichts, was ich dagegen tun könnte“? Oder regt sich tief im Innern eine Stimme in Ihnen, die drängt: „Es reicht! Ich werde nicht länger zulassen, dass die Schatten des Todes sich auf meine Familie legen“?

Wenn Christen erklären: „Das liegt alles im souveränen Willen Gottes“, setzen sie Gottes Werke oft mit denen Satans gleich. Nein! Unser Herr ist gütig und liebend; er heilt und verwandelt; er bewirkt eine Veränderung. Er betritt die Stadt mit Leben, Liebe, Freude, Macht und Stärke. Und er konfrontiert den Tod mit Barmherzigkeit und mit Auferstehungsleben.

Ich kenne viele Christen, die auf Niederlagen schauen und sagen: „Gott führt mich durch das alles hindurch, um mich etwas zu lehren.“ Das mag sein; das kann er gewiss tun. Doch was wäre, wenn er Sie lehren möchte, zu unterscheiden? Was wäre, wenn er Ihnen den Unterschied zwischen seinem souveränen, unabwendbaren Willen und einer düsteren geistlichen Resignation zeigen will? Was wäre, wenn er Ihnen Dinge zeigt, um Sie zu bewegen, in der Gewissheit eines lebendigen Glaubens zu handeln?

Freunde, wir stehen in einem Kampf. Als Paulus die Epheser aufforderte, die volle Waffenrüstung Gottes anzulegen, war das keine Lektion für Sonntagsschulkinder. Er schrieb es, weil wir dem Feind entgegentreten sollen, der nicht aufgeben wird, ehe er nicht sieht, dass von unserem Glauben nur noch ein schwelender Aschehaufen übrig ist. Der Heilige Geist hat uns das Schwert des Wortes Gottes gegeben, mit dem wir im realen Leben kämpfen sollen!

Nun werden einige Christen beim Lesen denken, dies beziehe sich auf eine politische Konfrontation. Sie nehmen ihre Bibel in die Hand und marschieren in die Stadt, um gegen die Entfernung der Zehn Gebote aus einem Gericht zu protestieren. Doch wie viele dieser Christen können die Zehn Gebote tatsächlich aufzählen? Sie erkennen nicht, worin der wahre Kampf besteht, zu dem Jesus sie aufgerufen hat.

Verstehen Sie mich nicht falsch – diese Art von Auseinandersetzung hat gewiss ihren Platz. Doch was lässt sich der Welt leichter entgegenhalten: „Ihr lebt in Finsternis“ oder: „Ich bringe euch Heilung und überfließendes Leben“? Genau diese Frage stellte Jesus damals der religiösen Menge: „Was ist leichter – diesem Gelähmten zu sagen: ‚Deine Schuld ist dir vergeben‘, oder: ‚Steh auf, nimm deine Matte und geh umher‘?“ Daraufhin heilte er einen gelähmten Mann, um den Unterschied zwischen dem vitalen Werk des Reiches Gottes und den leeren Werken einer toten Religion zu zeigen.

Mögen wir alle glauben, beten, vertrauen und den Kampf aufnehmen, um das Leben zu verkünden, das Jesus teuer für uns erkauft hat.

Zu viele von uns haben Angst zu scheitern, wenn wir einen Glaubensschritt wagen, um den Mächten der Finsternis entgegenzutreten

Als junger Pastor betete ich für jeden, der zu mir kam und darum bat, von Gott geheilt zu werden. Die meisten dieser Menschen wurden nicht geheilt; gewöhnlich fing ich mir vielmehr selbst dieselben Leiden ein. Doch das hinderte mich nie daran, für sie zu beten. Und das ist der Grund:

In zwei von drei Fällen, in denen ich predige, versage ich. Und ich kann immer erkennen, wann meine Predigt nicht gut war. Leute kommen und machen mir ein Kompliment, doch wenn ich frage, an welchen Teil der Predigt sie sich erinnern, erstarren sie wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Oder ich frage meine gütige, liebevolle Ehefrau, was sie von der Predigt hält, und sie wechselt das Thema und spricht über das Wetter.

Der Punkt ist: Was wäre, wenn Prediger aufhören würden zu predigen, weil ihre letzte Predigt schwach war? Wir hören nicht auf; ja, wir hören niemals auf – weil wir berufen wurden. Wir müssen unserer Berufung treu bleiben und vertrauen, dass der Heilige Geist sein erstaunliches, übernatürliches Werk tut.

Es gibt einen weiteren Grund, warum ich nie aufgehört habe, für Menschen zu beten. Manchmal werden sie zwar nicht auf der Stelle geheilt, wissen aber, dass Gott sich um sie kümmert. Und der Same des Glaubens, der durch das Gebet in sie gepflanzt wurde, wird wachsen, indem der Heilige Geist ihn bewässert. Unsere Rolle besteht einfach darin, treue Boten seiner Guten Nachricht zu sein – den Leidenden zu sagen, dass es einen Heiland gibt, der sie liebt und sich um sie kümmert.

Das habe ich mir selbst kürzlich in Erinnerung gerufen, als ich an einer jungen Frau vorbeikam, die am Straßenrand stand und ein Schild hochhielt. Ich weiß nicht, wie ich es dezenter ausdrücken könnte, aber ihr Gesicht war durch einen riesigen Tumor verunstaltet. Sofort hatte ich das Bedürfnis, für sie zu beten – doch als ich den Wagen verlangsamte und das Seitenfenster öffnen wollte, bekam ich es plötzlich mit der Angst zu tun. Ich hatte nicht nur Angst, dass der Herr vielleicht nicht handeln würde, sondern ich wusste gar nicht, wie ich sie überhaupt ansprechen sollte. Ich fuhr weiter.

Es beschämt mich, diese Geschichte zu erzählen; aber ich tue es zur Ermahnung. Wenn wir in Angst leben, werden wir nie im Glauben handeln. Mein Gebet in diesen Tagen ist, dass der Herr mich dieser jungen Frau noch einmal über den Weg führen wird – dass er mir eine neue Gelegenheit gibt, indem ich darauf vertraue, dass er treu sein wird, ihr zu begegnen.

Freunde, wir sind berufen zu glauben, dass Jesus die härtesten Gang-Mitglieder erreichen kann, dass er den deformiertesten Körper heilen kann, dass er für „die Geringsten unter ihnen“ Wunder tun kann. Wenn ich gelegentlich auf der Kanzel versagen kann, dann können wir alle auf dem Missionsfeld versagen. Und sollten wir aus Angst unserer Berufung widerstehen, können wir zu unserem Vergeber sagen: „Herr, ich werde nicht noch einmal an ihr vorübergehen. Gib mir eine neue Gelegenheit.“

Haben Sie Ihre Zuversicht verloren? Können Sie zwischen stiller Annahme des Willens Gottes und einem Ruf, der Finsternis entgegenzutreten, unterscheiden? Herr, lehre uns, in deinem Namen zu lieben. Und führe uns, dass wir handeln, wie du es getan hast, als du am Stadttor von Naïn dem Tod entgegengetreten bist. Du bist treu, Auferstehungsleben zu bringen!

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